TransERZ XXL, 30. Mai 2015

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von OLAF: Jens, Christoph und ich sind am 20. Mai beim Tharandter XXL gestartet. Anreise Freitag und Übernachtung, Start 7:00 für die 200 km, Christoph und ich und 9:00 für die 150 km, Jens. Es sollte trocken sein, ca. 6 Stunden Sonnenschein war angesagt. Ich hatte die Woche nicht viel gemacht und war ausgeruht. Dieses Jahr sollte es besser werden, letztes Jahr war ich bei ca. km 75 gestürzt und das war das Ende der 2014er RTF.

Es fing „gut“ an, auf der Anreise haben Jens und ich „getrieft“ und sind 70 km auf der Autobahn falsch gefahren. Kann passieren, muss aber nicht, 1 Stunde Verspätung, 70 km hin und wieder zurück. Abends haben wir Christoph getroffen und sind Essen gegangen. Zum „Italiener“ in den Nachbarort. Rein ins Lokal und gleich wieder raus, das war der Dönerladen, der Italiener war nebenan. Die Karte kam, Italienisch, Indisch und Döner, es war doch ein Laden. Zuviel auf der Karte, das konnte nicht alles gut sein. Alle 3 hatten Tomaten mit Mozzarella und Pizza Brot (die waren gut)  und eine Pizza. Die war wahrscheinlich auch gut, lag nur schwer im Magen. Meiner jedenfalls hatte die Nacht zu tun. Dazu kam mein „Sportreisenauswärtsschlafsyndrom), ich konnte nicht einschlafen, auch das EZ im Hotel hat mich nicht gerettet. Geschlafen habe ich, viel kann es nicht gewesen sein. Wecker klingelt 5:30, 6:00 ausgecheckt, 6:15 Frühstück mit Christoph in der Grundschule. Lecker und genau richtig.
Es waren ca. 10°C, Handschuhe brauche ich nicht, Langes Trikot und die Windjacke zur Sicherheit. Mütze auch nicht, na vielleicht besser doch, nimmt ja nicht viel Platz weg. Ca. 6: 45 hat es angefangen leicht zu tröpfeln. Die Wolke hängt über Tharandt, sagte der Ansager, die zieht nach Norden (wir fahren nach Süden), alles ok, wird schon dachte ich. Start 7:00 (mit Jacke und Mütze), Christoph wollte schnell fahren, kurze Hose, kurzes Trikot, Ärmlinge. Es ging los und auf den ersten Anstiegen wurde ich durchgereicht, ich staunte wie schnell mein Puls aus der Ruhe auf Wettkampfniveau gehen kann, es half nichts, ich war hinten. Irgendwann ging es dann besser, ich war in einer kleinen Gruppe, das Feld war weg. Es regnete leicht, aber alles ok, am Horizont sah man schon den Silberstreif. Der blieb dann aber auch da, nichts mit Wolke zieht weg. Kurz vor dem 1. Verpflegungspunkt war ein längerer, steiler Anstieg, ich konnte mit den anderen mitfahren und mir war warm und immer noch alles ok.  Ich hielt nicht an am ersten Verpflegungspunkt, sondern fuhr gleich weiter. Christoph überholte mich dann (die Spitzengruppe hatte kurz Pause gemacht) und brachte seinem Unmut über das Wetter Ausdruck, er fror und hatte Probleme mit den steifen Fingern die Gangschaltung wie erforderlich zu bedienen. Ich fuhr alleine, 200 m vor mir eine Gruppe, ich kam nicht näher obwohl ich mich anstrengte. Mein Puls war viel zu hoch, einige kleinere Gruppen überholten mich, ich konnte das Tempo nicht aufnehmen und der Puls ging noch höher. Ich staunte wie hoch der auf dem Rad sein kann, jedenfalls machte es keinen Sinn da mitzufahren. Ich ließ nach und die Anstrengung wurde angenehmer, dafür begann ich zu frieren. Der Silberstreif war verschwunden, es gab nur noch grau. Aus der Richtung, aus der der Wind kam, kamen Wolken in allen Grauvariationen und keine Perspektive auf besseres Wetter. Es wurde unangenehm, die Hände wurden kalt und nach einer weiteren halben Stunde war mir klar, dass ich die 200 km nicht überstehen werde, ich würde abkürzen. 100 km, 150 km, 200 km, 230 km geradeaus, 80 km links (bergab) sagte das Schild; manche Entscheidungen werden in Sekundenbruchteilen getroffen, es ging bergab. Was das Ganze nicht besser machte, es wurde noch kälter.  Ein Ende war in Sicht (ca. 40 km noch) aber es wurde noch kälter. Der regen hörte auf. Nach einigen Minuten vor mir ein Radfahrer, ich schloss schnell auf. Christoph, fast erfroren aber doch noch ein wenig am Leben. Zuerst verstand ich ihn gar nicht, die Gesichtsmuskeln waren taub und die Sprache litt darunter. Ist mir letztes Jahr auch schon passiert, bei der Abfahrt vom Brocken, ich konnte das einordnen. Er sah nicht gut aus, ich fand das für mich schon völlig inakzeptabel und ihm musste es noch deutlich schlechter gehen. In Schmiedeberg dann angekommen (es wurde ganz langsam besser, die Sonne kam durch) fuhr ich, nach kurzer Konversation wo wir lang müssen, vor. Nach einigen Minuten merkte ich dass Christoph nicht hinter mir war. Oje, es ist was passiert, dachte ich. Ich fuhr zurück. Glücklicherweise war ich nur falsch gefahren, er hatte gewartet. Ich wieder vor, nach einiger Zeit drehte ich mich um, Christoph wieder nicht da. Ich wartete, er kam dann, war gestürzt, auf den mir ca. 45° verlaufenden Eisenbahnschienen. Einige Schürfwunden, Rad war ok, aber besser ging es dadurch bestimmt nicht. Der Rest ging so, es war zäh. Das letzte Stück bergauf, es wurde wärmer, meine Hände waren schon wieder ok. 85 km, 3:10 anstelle 200 km. Jetzt noch Laufen, so war der Plan. Ungezogen, nach 100 m merkte ich es geht nicht, ich hatte mir letzten Sonntag eine Verletzung zugezogen. Laufen fällt erst mal aus.
Das war es dann.  Warten auf Jens, ungezogen, Zeitung im Nachbarort geholt und zum Ziel . 4 Stück Kuchen, 3 Kaffee, es ging mir wieder gut. Christoph kam auch, er hatte lange unter der warmen Dusche gestanden. Noch ein Bier, Kartoffelpuffer, es war warm, die sonne schien. Christoph ist dann früher weg, ich las die Zeitung. Jens traf ich am Auto, er hatte auch abgekürzt, immerhin 110 km und noch ~ 10 km gelaufen.
Schöne Strecke, soweit gesehen, prima Veranstaltung, nächstes Jahr wieder. Dann schaffe ich bestimmt wieder 5 km mehr. Ich hätte besser die 150 km genommen, Jens ist nicht nass geworden. Wie die anderen das geschafft haben, die auch um 7:00 gestartet sind ist mir schleierhaft.
Auf ein Neues  Olaf

4 Responses to “TransERZ XXL, 30. Mai 2015”

  1. Christoph

    Es war nichts weiter als eine vollkommen abgedrehte dreistündige Nahtoderfahrung!!! Deutscher Sommer bei 5 Grad, Dauerregen und starkem Westwind (Hallelujah).

  2. Karsten

    Na trotzdem Glückwunsch Euch 3 zum gesunden ankommen. Ich habe am Samstag an Euch gedacht, wäre mitgefahren….. Bin aber mit dem Rad nach Cottbus zum Geburtstag gefahren. Nächstes Jahr gerne wieder mit dabei.

  3. Jens

    … und dazu noch eine indische, extra scharfe, doppelt belegte Pizza, die mich in den Morgenstunden noch zweifeln lies überhaupt zu starten. Mich hat der Regen nicht erwischt, aber eine zweite Runde „segeln“ auf dem tschechischen Gipfel wollte auch ich mir ersparen. Zum Glück haben wir dieses Event mit kleinen Pannen überstanden und können darüber wieder lachen. Nächstes Jahr sollten wir vielleicht doch den Rhön Marathon in Angriff nehmen?
    Die 200 km Runde fahren wir im Sommer bei schönem Wetter und 25 Grad.

  4. Zu geil! Das will ich heute nochmal geschildert bekommen. Ihr tut mir echt leid. Denn irgendwie sind wir ja doch Sonnenanbeter und haben sowas nicht verdient.


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