LG Süd Läuferabend, 10. Juni 2015

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von MARTIN: Am Anfang der Saison war ich insbesondere nach der Entscheidung, für die Triathlonwertung nur noch zwei Duathlons statt drei zuzulassen, etwas gefrustet und überlegte, wie ich meinem sportlichen Leben einen neuen Kick geben könnte. Während der Großteil von Euch das wahrscheinlich in ein Radrennen round the world oder einen dreifachen Ironman hätte einfließen lassen und auch verwirklicht hätte – ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, wie Ihr das schafft! – , habe ich mich etwas vorsichtiger in Hinblick auf meine sportlichen Hintergründe und Möglichkeiten diesem Neuland genähert. Ich habe mich also gefragt, was mir am meisten Spaß macht. Klar: Das Laufen. Warum also nicht mal bei einem Leichtathletikwettbewerb teilnehmen? Eigentlich wollte ich schon im Frühjahr bei der Potsdamer Bahneröffnung starten, aber Beruf und mangelndes Training standen entgegen. Darauf erkundigte ich mich, wo denn sonst in der Umgebung solche Wettbewerbe stattfinden und kam auf die LG Süd, die eigentlich im Stadion Lichterfelde ihre Laufabende abhält, zur Zeit aber auf das Stadion von Hertha Zehlendorf ausweicht. Nach einem E-Mail-Wechsel mit der Kontaktperson von der LG Süd, Karl-Heinz Flucke, wusste ich eigentlich nicht genau, ob ich jetzt gemeldet war oder nicht. Konkret ging es um einen Läuferabend am 10.06. und einen am 26.08.15. Anders als im Breitensportbereich läuft das Anmeldeprozedere normalerweise nicht individuell, sondern über die Vereine ab. Zufällig klickte ich am Dienstag, 9.06. auf die Seite der LG Süd, um zu sehen wie es mit einer Anmeldung für den August aussah. Dabei sah ich, dass es für den 10.06. keine Meldungsmöglichkeit mehr gab. Da ich mich eigentlich gar nicht für diese dort stattfindenden Läufe vorbereitet hatte, klickte ich sehr erleichtert auf die Meldeliste und war schockiert. Der Kollege Flucke hatte mich tatsächlich für drei Wettbewerbe, 800m, 1500 und 400m angemeldet! Jetzt galt es, nicht zu kneifen und mal etwas völlig anderes zu erleben.

So aufgeregt war ich in letzter Zeit schon lange nicht mehr, als ich mich nachmittags auf den Weg nach Zehlendorf machte. Alte Fußballerinnerungen kamen hoch, hier hatte ich als 8jähriger mit dem Lichtenrader Ballsportclub ( LBC ) gegen Hertha Zehlendorf gekickt. Die Anlagen sind sehr gepflegt, es gibt eine Tribüne und eine sehr schöne super gefederte Tartanbahn. Ich hatte mir meine Spikes mitgenommen, das war auch gut so. Mit normalen gedämpften Schuhen hat man das Gefühl von Sprungfedern unter den Füßen, da kann man noch eher barfuß laufen ( machte auch ein Teilnehmer über die 1500m! ). Auch wenn die Wettbewerbe sehr eng hintereinander getaktet waren ( es fing mit 200m an, um 18.45 Uhr gab es für 31 Teilnehmer die 800m und um 19.05 Uhr waren die 1500m dran ), dachte ich mir, dass das ja wie Intervalltraining wäre und es insgesamt mit den 400m ja dann nur drei Intervalle geben würde, was ich lässig schaffen würde. Welcher Hochmut, welche große Klappe!

Ich hatte mich warm gelaufen, einen Smalltalk mit einem Läufer der Klasse M50 aus Niedersachsen gehalten, der jammerte, dass er doch nur hinterherlaufen würde, und ihm mitgeteilt, dass ich erstens so etwas zum ersten Mal in meinem 56jährigen Leben machen würde und zweitens damit rechnen würde, als allerallerletzter hier anzukommen ( da ich aber als einziger der Klasse M55 gemeldet war, musste ich ja nur durchkommen ). Wir sammelten uns an der Start- und Ziellinie ( alles elektronisch gestoppt ), dann ging es so schnell, dass ich noch nicht mal dazu kam, die Laufuhr zu drücken, und der Schuß knallte. Ich ging die ersten 400m nach meinem Befinden sehr gut an, lief als vorletzter von 5 Läufern hinter einem Paar her und konnte nach der ersten Runde eine 1:12 auf der Uhr am Ziel erhaschen. Ab dann wurde es sehr anstrengend. Erinnern kann ich mich noch an die letzten 200m, weil ich laut vor mich hin keuchte und jaulte und dann unter 2:40 ins Ziel lief. Ich war nicht Letzter geworden, sondern hatte den Niedersachsen tatsächlich geschlagen! Zweiter wurde allerdings ein 60jähriger Berliner mit 2:24,30 Min. da muss ich noch eine Menge tun, wenn ich so eine Zeit mal laufen will. Nun aber kam ein völlig neues Gefühl, was ich noch nie bei einer Laufveranstaltung hatte. Meine Lunge brannte, ich hustete vor mich hin und es wurde nur ganz langsam besser. Da wurde aber schon zum 1500m-Start gerufen. Ich überlegte kurz und dachte mir dann, dass ich lieber auf die 1500m verzichte und dann nochmal einen super Lauf über die 400m raushauen würde. Beim Anschauen der Starter und dann Läufer über 1500m hätte ich ausgeruht eine gute Figur gemacht, aber es sollte nicht sein. Dann die 400m und das nächste Stirnrunzeln: Richtig, da hat man ja Startblöcke! Damit kam ich schon in der Schule nicht zurecht, aber auch egal, irgendwie würde es schon gehen. Wieder knallte der Startschuss, ich hatte die ungünstige Außenbahn, alle überholten mich, ich wusste nicht mal, welche Zeit ich gelaufen bin. Ich war fertig, aber glücklich. Ich war ein richtiger echter Leichtathlet! Heute habe ich in der Ergebnisliste nachgesehen (www.lgsued.tusli.de) und siehe da: 1. in der Altersklasse M55 über 800m mit 2:39,48 Min. und 2. in der Altersklasse M55 über 400m mit 71,54. Erster wurde ein zwei Jahre älterer Laufkollege mit 60,26 Min. Helmut Kreidner vom SC Siemensstadt, der mich als 60jähriger klar über die 800m geschlagen hatte, lief übrigens die 5000m in 17:53 Min. in der Altersklasse M60!

Ich fand das Ganze richtig schön. Im Gegensatz zu den Großveranstaltungen, auf denen ich mich sonst so rumtreibe, war dies zum einen sehr familiär, zum anderen war die Jugend in der absoluten Überzahl. Damit meine ich die 12-20jährigen. Da wir bei uns im Gericht bei den Richterkollegen einen Altersdurchschnitt von 54 haben, bei den Wettkämpfen eigentlich der Durchschnitt auch eher gefühlt bei über 40 liegt, war das mal eine ganz andere und schöne Erfahrung. Ich mache das nochmal und diesmal werde ich nicht so naiv an den Start gehen wie gestern! Die 400m schenke ich mir allerdings in der Zukunft.

Martin

One Response to “LG Süd Läuferabend, 10. Juni 2015”

  1. Christoph

    Das mache ich auch mal, du wilder Laktatjunkie!!!


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