Ironman European Championship Frankfurt, 24. Juli 2011
von TORSTEN: Ich hatte mich noch mal für Frankfurt angemeldet, mit dem festen Vorsatz, dort meinen letzten IRONMAN zu absolvieren. Das Training lief bedingt durch mehrere ungeplante Dienstreisen im Frühjahr und beruflichen Stress nicht optimal. Außerdem hatte ich das Schwimmtraining 9 Monate komplett ausfallen lassen. Trotzdem hatte ich dann einen sehr guten Testwettkampf bei der Mitteldistanz im Spreewald, und war deshalb am Ende recht optimistisch, vielleicht noch mal eine Zeit unter 10 Stunden zu schaffen. Die Anreise nach Franfurt war problemlos, ich kannte außerdem die Gegebenheiten vor Ort schon von 2008. Erste Überraschung dann bei der Anmeldung: ich war zur Dopingkontrolle ausgelost worden. Diese wurde während der Wettkampfbesprechung durch die NADA durchgeführt, war kein Problem.Der eigentliche Wettkampftag am Sonntag begann gegen 4:00Uhr mit einem Frühstück, geschlafen hatte ich leider kaum. Morgens war das Wetter noch ganz o.k., zwar nur um die 10°C, aber trocken, nachdem es am Abend zuvor noch geregnet hatte. Das Wasser im Langener Waldsee hatte etwa 21°C, so dass das Schwimmen im Neo auch kein Problem war. Nach 1:19 Std. war ich aus dem Wasser. Da ich kaum trainiert hatte, war das auch genau die Zeit, die ich so etwa erwartet hatte.Danach wollte ich eigentlich eine Radzeit von knapp über 5 Stunden schaffen, um dann mit einem guten Marathon die 10 Stunden zu unterbieten.
Leider hatte sich aber bereits während der Schwimmrunde das Wetter erheblich verschlechtert: es wurde sehr windig und fing auch noch an zu regnen, und das alles bei etwa 10°C! Wer mich kennt, der weiß, das ich eher der Typ „Frostbeule“ oder „Warmduscher“ bin – also überhaupt kein Wetter für mich. Ich habe von Anfang an auf dem Rad erbärmlich gefroren, und bin überhaupt nicht mehr warm geworden. Ich habe nur gestaunt, das viele nur in kurzen Einteilern an mirvorbeifuhren (das konnten ja nicht alles Schotten oder Iren sein – die mögen ja vielleicht solche Bedingungen). Zum Glück hatte ich eine Weste + Regenjacke dabei, trotzdem hatte ich permanent Gänsehaut am ganzen Körper. Nach 30 Kilometern habe ich dann auf die ersten Anstiege gehofft – ich dachte, irgendwann muss doch die Wärme von innen mal kommen. War aber nicht so, und bergrunter bei über 60km/h wurde es erst richtig extrem: die Straßen nass, böiger Seitenwind, und meine Knie haben so gezittert, das ich mich kaum auf dem Rad halten konnte …
Merkwürdigerweise habe ich im Rennen nie ans Aufhören gedacht, und nach 1,5 Stunden lies wie durch ein Wunder dann auch der Regen mal kurz nach und es kam für kurze Zeit einige Sonnenstrahlen durch. Also endlich etwas Wärme !!! Das hat mich wahrscheinlich auch vor meinem ersten „DNF“ bewahrt, denn hinterher habe ich im Zielbereich mit Sanitätern gesprochen, die mir erzählten, dass an ihrem Betreuungsstand an der Radstrecke viele wegen Unterkühlung aufgeben mussten …
Auf der zweiten Radrunde hatte ich dann nur noch gegen den böigen Wind zu kämpfen, und kam dann so etwa nach 7 Stunden zum zweiten Wechsel. Die Kälte hatte mich unwahrscheinlich Kraft gekostet (vor allem auch mental), ich musste mir mein Rennen jetzt also einteilen.
Da die Zeit von 10 Stunden ohnehin nicht mehr möglich war, bin ich einen relativ entspannten Marathon gelaufen. Ich wollte mich an diesem Tag auch
nicht noch mal quälen … Der Zieleinlauf am Römer war dann wieder ein absolut stimmungsvolles Erlebnis und insgesamt ein schöner Abschluss meiner „IRONMAN-Karriere“. Am Ende waren es im Ziel 10:27 Std. – Zeit und Platzierung haben mich aber nicht interessiert: ich habe mich nur gefreut, Ironman-Finisher 2011 zu sein!
Mein letztes Rennen hat mir nur gezeigt, das man sich beim IRONMAN den Respekt vor den Distanzen bewahren muss: Zuerst geht es um das Finishen, erst
dann um die Zeit. Trotz guten Trainings und guter Form kann viel passieren. Aber das macht es ja gerade auch so interessant.


