Challenge Roth, 12. Juli 2015

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von KARSTEN: Die Vorbereitung Alles begann im Juli 2014. Einmal an einen Ironman teilzunehmen, schlummert glaube ich in jedem Triathleten…….! Ich hatte es bisher so gehalten, erst einmal die Form im Training & im Wettkampf erarbeiten und dann bist du bereit für das große Ziel und kannst dich für einen solchen Wettkampf anmelden. Aber wie bei uns „Freizeitsportlern“ bremst Job, Familie und Gesundheit diese Ambitionen all zu oft aus. Und im Hinterkopf hatte ich immer den Satz von Freunden „ Na was du bis 50 nicht angepackt hast, schaffst du auch sportlich nicht mehr“!
Also einfach irgendwo anmelden und dann auf den Wettkampf gezielt hin trainieren…….? Ja/Nein….? Aus Gesprächen mit unseren Profis vom TLV wusste ich……wenn einmal einen Ironman….dann starte in Roth….der ist unvergleichlich …….den vergisst Du nie !!! Also wartete ich auf den Tag der Online Anmeldung für Roth 2015, hatte das richtige „Händchen“ und bekam mit viel Glück einen Startplatz! Ach du Schei…… Jetzt gibt es keine Ausrede mehr……! Der Termin stand und jetzt musste ein Plan her. Ich und präzise Planung (Trainingsplan)im Sport, oje….
Ab Ende November ging das „Projekt Ironman“ los. Das Ziel wurde präzisiert: Den Ironman in Roth finishen ohne bleibende, gesund-heitliche Schäden, wenn möglich mit einem Lächeln im Gesicht ! Ich holte mir immer zwischen durch bei unseren „Männern“ Tipps und führte das erste mal ein Trainingstagebuch (über Runtastic) Jetzt begannen die Wochen der harten Arbeit, auch der Quälerei, Familie und Freunde kamen immer mehr zu kurz, alles für mein großes Ziel……zwischendurch sagte der Körper auch mal ganz deutlich …mach mal halblang“! Aber wo ist das richtige Maß? Ich arrangierte mich mit meinem Körper und fand eine passable Lösung. (Indianer kennen keinen Schmerz) Anfang Mai dann Trainingslager auf Malle mit Rene`. 10 Tage mit den richtigen Trainingsimpulsen und noch dazu gute Teststrecken analog Roth. Und im Hinterkopf die Aussage von Christoph; Am ehesten kommt die Trainingsver-letzung beim Lauftraining…… ,also prozentual weniger Lauftraining als sonst……Alles nahm Form an und der Körper machte mit, wenn auch teilweise unter Protest. Die ersten Wettkämpfe begannen, ich probierte, testete und bekam immer mehr Gefühl für das was passt. Jetzt die „Lieblingsdisziplin“ Schwimmen, erst in der Halle, dann im Liebnitzsee. Langsam konnte ich auch etwas länger kraulen und erinnerte mich an die vielen Tipps vom Schwimmtrainingslager (WE) von 2013.
Die Generalprobe Spreewaldman/ Halbdistanz lief nicht optimal, ich stieg nach der ersten Laufrunde mit Knieproblemen sicherheits-halber aus! Eine Woche später spulte ich mein Programm am Werbellinsee (Olympisch) ab und die letzten Tests verliefen sehr gut. Jetzt war es endlich so weit, nach 33 Wochen Training (31,2km Schwimmen ab 20.5., 696 km Laufen, 1513 km Rennrad plus 2218 km auf der Rolle im Winter und einigen Einheiten Pilates (mit das wichtigste, aber habe ich immer stiefmütterlich behandelt) ist man schon ein „Ironman“, denn das Training fordert einen mehr als ein einzelner Wettkampf!

Die Anreise nach Roth Am Donnerstag reiste ich mit meiner Frau Petra an, schaute mir die Schwimmstrecke an und entspannte in unserer Pension in Spalt am Abend. Freitag 7.00 Uhr Schwimmtraining im Main-Donau-Kanal, nur um ein positives Gefühl zu bekommen und um langsam das Wettkampf-Feeling zusammen mit den anderen Athleten zu bekommen. Wahnsinn, hunderte Athleten tummelten sich am Kanal, tauschten sich aus und alle waren total relaxt. (noch) Danach Frühstück in der Pension, kurz ausruhen und dann das Rad ins Auto packen und einen letzten Test absolvieren. Mein Motivator (Petra) entspannte in der Zeit mit einem Buch in der Sonne an der Trainingsstrecke und ich spulte die letzten Test-Kilometer mit dem Rad ab (nur um zu schauen, ob nach dem Transport alles ok ist mit dem Rad-alles nur Kopf Sache), dann noch ein paar entspannte Kilometer in der Sonne von Roth laufen, um die Lauf-Socken „an zu schwitzen“ und ab zurück ausruhen in der Pension. Nachmittags ab nach Roth die Startunterlagen abholen incl. Verkaufsmesse (es war alles dabei und man hätte sich auch noch einmal mit dem Feinsten vom Feinen an Equipment für den Wettkampf ausstatten können-mit der richtigen Plastikkarte!!), eintauchen in die glaube ich einzigartige Atmosphäre bei einem Ironman Rennen (man kann das erst richtig aufnehmen und genießen, wenn man nicht aktiver Teilnehmer ist) ansonsten lässt man es nicht so richtig an sich ran-ich war zu fokussiert auf den einen, besonderen Tag! Abends die obligatorische Nudel Party im Festzelt mit den Pro`s. Wahnsinn, über 5000 „Verrückte“ aus 26 Nationen treffen sich beim Nudel essen. Danach ab zurück in die Pension und die richtigen Wettkampf Utensilien in den richtigen Wettkampf-Beutel (grün, rot, blau) packen, oje wenn das mal gut geht?
Samstag nach dem Frühstück, ab nach Roth zur Pink-Lady-Challenge (ist ein 5km Lauf für die bessere Hälfte der zukünftigen Ironmänner und für einen wohltätigen Zweck). Ich hatte Petra überredet daran teilzunehmen, damit es nicht zu langweilig wird für Sie und ich schaltete in der Zeit auch noch einmal sehr gut ab. Alles gut verlaufen, Petra hatte Spaß und ein super Ergebnis, alles iO. Danach ab nach Heuberg zum Rad-Check in ab 13 Uhr bei 32 ° C, was mache ich mit dem Reifendruck…. das Rad steht im Wechsel-garten in der prallen Sonne und es wird noch heißer! Einfach etwas Luft ablassen, wie die Masse der anderen Teilnehmer und abstellen. Der Wechselgarten war teilweise ein Schauplatz der „Eitelkeiten“, Räder im Gesamtwert von rund 20 Mio. € standen hier! Danach ab in die Pension und noch einmal vor schlafen. Abends zeitig essen und letzte Vorbereitungen für den Wettkampf. Mein Spezialfrühstück vorbereiten, ein letztes mal das Wettkampf Equipment in den einzelnen Beuteln checken und jetzt dem Körper einreden, er ist müde und will schlafen! Das klappte halbwegs bis ca. 4 Uhr und dann kamen die Geräusche auch aus den anderen Zimmern der Pension.

Mein perfekter Tag 4.40 Uhr Abfahrt zum Parkplatz am Schwimmstart, „Spezial-Frühstück“ im Auto und kurz nach 6 Uhr rüber laufen zum Schwimmstart, schnell zum Rennrad die Reifen gecheckt, denn einen platten Reifen konnte ich jetzt nicht gebrauchen! Alles war ok und jetzt konnte ich den Profis beim Start (6.30 Uhr) zu sehen und die Atmosphäre einatmen. Tausende von begeisterten Zuschauern am Rand der Schwimmstrecke und die richtige Moderation am Start ließen einen die Nackenhaare aufrichten! Einfach gigantisch….Dann bis kurz nach 7 Uhr noch das Renngeschehen der anderen Sportler verfolgt und dann die üblichen Rituale vollzogen und Spannung aufgebaut. Kurz vor 8 Uhr mit Neo eintauchen in den Kanal, Schwimmbrille ausrichten und die ca. 70m zum Start vor schwimmen und dem Kopf sagen; Hier hattest du ein super Gefühl beim Testschwimmen. Dann kam auch schon der Startschuss (8 Uhr, Startgruppe 16, immer 200 Sportler) aus der Kanone und los ging es. Ich hatte geplant in der Mitte meiner 200er Startgruppe zu starten war aber etwas zu spät dran. Also bleib entspannt und komm ins schwimmen. Der Kanal war super breit und ich konnte mich Zug um Zug an anderen Schwimmern vorbei arbeiten und kam ins schwimmen! Und auf einmal war die erste Wende (bei 1,4 km) schon geschafft. Platz war massig für alle Schwimmer, nur vereinzelt gab es kleine „Kämpfe“. Ich hatte im Training mit zusätzlicher Nahrungsaufnahme beim Schwimmen experimentiert und wollte auch ca. nach 2km mein Gel aufnehmen. Aber ich hatte so ein geiles Schwimmgefühl und arbeitete mich Meter um Meter nach vorn und sagte mir dann; Schwimme einfach weiter und genieße das Gefühl, wenn du jetzt „rechts ran schwimmst“ wer weiß ob du dann noch einmal so ins schwimmen kommst. So und schon war die nächste Wende geschafft (noch ca. 500m bis zum Ausstieg). Jetzt sah man langsam wie die Kräfte bei den Schwimmern schwanden und auch meine Schultern und Oberarme schmerzten. Sauber durchgezogen bis zum Ausstieg, Technik vor Kraft (denn Kraft muss da erst noch rein bei mir!) Und dann packten mich auch schon vorsichtig 2 Hände und halfen mir beim Ausstieg. Die Treppen hoch, raus aus dem Kanal auf die Uhr geschaut, noch mal geschaut, booahhhh. Ich hatte Petra gesagt, das ich so nach 1.30 h-1.45 h raus kommen würde. Jetzt sagte meine Uhr aber 1.20 h (166 HF/Schnitt normal für mich) also ab in die Wechselzone, Radbeutel schnappen und ins Wechselzelt. Im Zelt angekommen, hingesetzt und auf einmal fühlte ich mich wie ein Profi! Denn eine der zahlreichen, gut gelaunten, fleißigen Helferinnen half mir beim Neo ausziehen, sortierte meine Sachen aus dem Beutel und reichte sie mir. Und zum Glück hatte mir Steffen noch gesagt, packe dir deine eigene Sonnencreme ein, also ließ ich mich eincremen und schon ging es raus aus dem Zelt Richtung Rad. Meine Sachen wurden sorgsam von der Helferin in meinen Beutel gepackt und weitergeleitet. Auf dem Weg zum Rad noch kurz ein gereichtes Getränk gegriffen, damit der trockene Mund nach dem Schwimmen wieder weg ging. Am Rad ein Gel eingeworfen und ab raus aus der Wechselzone. Ich ließ mir bewusst Zeit beim Wechsel, ließ keinen Stress aufkommen, denn ich wollte ankommen und keine gesetzte Zielzeit unterbieten. Natürlich hatte ich mir vorher schon Gedanken gemacht, mit welcher Zeit kann ich liebäugeln. Meine Bestzeit bei der Mitteldistanz war um die 5.45h also kalkulierte ich mit 12h-13h für die Langdistanz. Und nach dem ich gesehen hatte, was eine Woche vorher in Frankfurt mit vielen Athleten bei diesem Wetter passiert war, war ich gewarnt. Die sind alle „geplatzt“ beim Marathon, da sie vermutlich bei den 180 km Rad die Temperaturen ausgeblendet hatten! Ich fuhr los und nach 500m registrierte ich, mein Tacho funktioniert nicht, Scheiße! Also anhalten und versuchen den Sender an den Speichen nach zu stellen. Es dauerte 10 sec. dann waren die ersten Zuschauer bei mir und wollten helfen. Aber irgendwie wollte der Tacho nicht. Also wieder losfahren und nach ca. 300m meldete sich mein Tacho einsatzbereit, na geht doch. Dann konnte es jetzt losgehen mit den ersten 180km auf dem Rad in meiner Sportkarriere. Ich wollte so einen 28-29 km/h Schnitt in der ersten Runde (es gab 2 Runden a. 90 km) fahren und danach entscheiden, je nach Gefühl was noch in der 2. Runde möglich ist. Zum Anfang überholten mich noch ein paar Pro`s bei ihrer zweiten Radrunde und die zahlreichen Fans an den verschiedenen Stimmungsnestern puschten die Sportler. Das Profil der Strecke war oft wellig mit lang gezogenen Abschnitten leicht hoch bzw. runter fahrend und deutlichen Vorteilen für die Radfahrer mit den „muskulären Wadeln“. Ab Mitte der ersten Radrunde merkte man langsam die Temperaturen (ca.28°C im Schatten) und es gab nur etwa 20% Schatten auf der Runde. Also an jedem Verpflegungspunkt (es gab 5 auf der Runde, war ausreichend fand ich und Top-Helfer reichten alles was man braucht) nahm ich eine Flasche oder auch 2, füllte meine Flasche am Lenker wieder auf und goss mir den Rest über den Rücken/ Kopf. Das kühlende Gefühl hielt immer so 15 min an, dann war mein Rennanzug wieder trocken. Bei km 70 kam dann der Solarer Berg, von dem alle im Vorfeld berauscht sprachen. Man fuhr bergauf in eine Linkskurve und dann sah man Ihn. Ich nahm noch einmal einen Schluck aus meiner Flasche und dann hatten mich auch schon die verrückten Massen (mehrere Tausend begeisterte Zuschauer links und recht/ Tour de France Bergetappe lässt grüßen) gepackt. Ein berauschendes Feeling packte mich und die Massen brüllten und schoben mich und die anderen Fahrer den kleinen Berg hoch. Ehe man sich versah, war man auch schon oben. Jetzt wusste ich, warum der Solarer Berg auch „Schlepplift“genannt wird. Waaaaahnsinn !!! Die erste Radrunde war vorbei (mein Schnitt war wie geplant bei knapp 29km/h) und die zweite Runde begann. Inzwischen hatte jeder seinen Rhythmus gefunden (die ersten auch schon verloren) und man fuhr mit den jetzt schon bekannten Startnummern und Namen aus der ersten Runde gemeinsam die Strecke und überholte sich abwechselnd gegenseitig, je nach eigener Pace ohne die 10 m Abstand zu vergessen. Jetzt kam zu den Temperaturen auch noch der Wind teilweise gnadenlos auf den langen Anstiegen dazu und die km/h Zahlen sanken…. Jetzt sah man auch Radfahrer am Straßenrand sitzen und liegen und Krankenwagensirenen hörte man auch…Zwischen km 120-150 zog sich das Rennen wie ein alter Kaugummi und die Gedanken fingen an zu kreisen. Aber da man genauso schnell bzw. eher genau so langsam war wie alle um einen herum (nur die Staffelracer flogen teilweise an uns vorbei) konnte ich irgend wann wieder auf Automatik schalten und überholte noch dutzende Fahrer auf den letzten 25 km. In der 1. Radrunde sah ich auch noch kurz Petra, klatschte kurz in der Kurve ab und sie rief mir noch zu wir sehen uns dann am Kanal. Jetzt nach Roth rein fahren, Muskeln lockern letzte Rad-Nahrung vor dem Laufen eintrichtern und in den Körper rein hören. Leichte Knieprobleme wie zu erwarten, da ich ja ausschließlich über die Frequenz gekurbelt habe, denn seit dem Winter bin ich ja meine Rückenprobleme nicht mehr los geworden (akute Schmerzen immer wenn ich den ganzen Körper anspanne und mit Power aus dem Körper rein treten will) Muskelprobleme oder andere Probleme waren nicht in Sicht. So sind also 180 km Rad, kann ich jetzt im Nachhinein sagen. Denn zu der Zeit kreisten meine Gedanken nur darum, hast du auch genug getrunken und gegessen (10 Gels, 2 Power Bar Riegel und ein Corny Riegel wurden eingeführt + 2 Gels vor dem Radfahren, wie viele Liter ich getrunken habe bekomme ich nicht mehr zusammen) um nicht bei den ersten 10 km beim Laufen zu platzen bzw. einzugehen. Also rein in die Wechselzone kurz vorher abgebremst, das Rad wurde einem wieder sofort abgenommen. Ich machte noch kurz den Tacho ab (völliger Blödsinn), damit ich später meinen richtigen Raddurchschnitt auch sehe (27,6 km/h mit 6.33h standen auf der Uhr und einem durchschnittlichen HF Wert von 146, sonst habe ich im Wettkampf einen Wert um die 160 also zu konservativ gefahren….? Lässt auf jeden Fall noch Potential nach oben zu!) Ab in Richtung Wechselzelt der Laufbeutel wurde mir glaube ich gereicht, wieder kam sofort eine fleißige Helferin auf mich zu und unterstützte mich professionell! Meine Startnummer war wie die von vielen anderen welche ich unterwegs traf nicht mehr da. Also muss doch der Wind ganz schön gezottelt haben….
Jetzt kam auch wieder langsam Blut in mein Gehirn und ich registrierte jetzt muss ich nur noch laufen und dann habe ich es geschafft. Und laufen ging bisher ja immer bei mir…..warum nicht heute. Ausgerüstet mit vorbereiteter Trinkflasche (musste nur noch Wasser rein, doppelte Ladung Magnesium und Salz hatte ich vorher rein gefüllt) Basecup auf damit das Gesicht etwas Schatten bekommt und um bei jedem Versorgungspunkt kühlendes Wasser auf dem Kopf möglichst lange zu halten. Und wieder feuerten die „verrückten“ Roth er Fans einen an und spülten einen auf die Laufstrecke. So jetzt das richtige Tempo aufnehmen, zum Anfang lief ich viel zu schnell und versuchte mich dann bei einer Pace um die 5.40/km ein zu laufen. Ich wollte die erste Hälfte vorsichtig angehen und dann in der 2. Hälfte die Rakete zünden.(falls noch etwas drinnen war zum Zünden) Raus aus der Stadt Richtung Kanal, der Planet feuerte und an den Versorgungspunkten waren triefende, kalte Schwämme der Renner, der Körper zeigte keine fühlbare Schwäche. Ich plante so ab km 8 und dann alle 7 km ein Gel ein zu nehmen. Aber bei km 6 zog mal kurz jemand am Akku und ich sah zu, mein „Lieblingsessen“ auf zu nehmen. Jetzt bekam ich ein sprichwörtliches Wanst rammeln, na war ja klar, irgend wann müssen sich die Gels ja mal zurück melden! Dann war ich am Kanal und eine scheinbar endlose Perlenkette an Läufern/in bewegte sich vor mir und kam mir entgegen. Hier war das Leiden der Athleten spürbar und deutlich sichtbar, denn so viele auf dem „Zahnfleisch“ gehende hatte ich bei meinen bisherigen Wettkämpfen noch nie gesehen! Ab und an lagen die Mitstreiter total erschöpft im Gras am Kanal bzw. versuchten Krampf geplagt wieder in Bewegung zu kommen. Ich versuchte auf Automatik zu schalten und dachte immer nur, mal sehen wann du kein Gel mehr einfüllen kannst. Dann stand da Petra am Rand (bei km 6 bzw. km 19 auf dem Rückweg) ich machte eine ca. 2 min Essenspause tauschte mich mit ihr aus und hatte danach leichte Probleme meinen Körper wieder in Gang zu bekommen. Jetzt wurde mir auch langsam bewusst, was unsere Roth Finisher mit öder Strecke am Kanal meinten. Wir liefen insgesamt ca. 25 km am Kanal auf einem etwas ausgetretenen Radweg mit Millionen staubiger Schottersteine. Teilweise konnte ich nur durch die Nase atmen, da natürlich keiner mehr richtig seine Füße beim Laufen heben konnte! Teilweise war es durch die Bäume schattig, aber die Luft stand und der Wind von der Radstrecke war weg! Ohne die einzelnen Verpflegungspunkte und die zahlreichen Hot Spots wäre das Rennen noch härter geworden. Es kam immer wieder Gänsehaut Feeling auf, denn Jung und Alt standen an der Strecke und feuerten jeden Sportler an !!!!
Ich lief so nach Plan im 5.40iger Schnitt laut meiner Uhr und machte noch ein paar mal Rast im Dixi. Da ich ja gut die Startnummern der entgegen kommenden Sportler sehen konnte, erkannte ich auch deutlich, dass Starterfeld hatte sich komplett gemischt. Ich sah Nummern unter 100 bis hin zu den 4000 (Staffel) Bei km 12/13 in Schwand war die Wende geschafft, man lief durch den Ort und die Massen pushten jeden Läufer. Jetzt wurde es langsam etwas angenehmer, ein paar Wolken schoben sich vor die Sonne. Ich nahm wie von unseren Ironmännern empfohlen mein Gel im Gehen auf, trank gleichmäßig dazu. So das mich in dieser Zeit immer ca. 20 Sportler überholten. Die hatte ich aber nach 2-3min immer wieder ein. Jetzt war ich irgendwann auch wieder bei Petra angelangt und mein Stopp war wesentlich kürzer. Ein paar motivierende Worte wurden zugerufen “ wir sehen uns dann gleich im Ziel“ und schon ging es weiter. Ich hatte immer noch ein gutes Laufgefühl, bis auf Staffelläufer überholte mich auch kaum jemand. Immer öfter sah man Mann bzw. Frau nur noch gehen mit hastigen Blicken auf die Uhr….schaffe ich es noch vor dem Zielschluss? Bei km 32 (laut Streckenschild) hatte ich dann irgendwie lange Weile und spielte an meiner Uhr herum! Nur um zu sehen, laut Uhr bist du ja schon knappe 36 km gelaufen. Jetzt überlegte ich natürlich wo hast du dich verlaufen bzw. warum war da das falsche Straßenschild mit km 32..? Das logische Denken hielt sich zu diesem Zeitpunkt auch schon etwas in Grenzen und ohne eine schlüssige Erklärung zu finden, versuchte ich einfach wieder zu laufen. Jetzt war ich in Roth und die 40km Marke lächelte mich an und ich wusste „Yes, dein Traum ist in wenigen Minuten Wirklichkeit“. Bis ins Ziel lief ich nur noch mit „Gänsehaut“ und genoss den Zieleinlauf in der Arena (ein langer, abgezäunter Parcours) und klatschte jeden ab der seine „Flosse“ hin hielt. Im Zielbereich wartete dann Petra und alles war einfach nur Geil. In 4.30h lief ich den Marathon mit durchschnittlicher HF von 147, sonst habe ich da eher eine 187 zu stehen! Später habe ich dann analysiert, das ich auf Grund kleinerer Laufschritte beim Marathon zwar eine gute Pace auf der Uhr hatte, aber halt nicht die richtige Schrittlänge mehr hatte. Aber da kam ich beim Laufen nicht drauf, habe mich immer nur gewundert, warum meine HF so auf Entspannungslauf geeicht war. Wahrscheinlich hätte ich nach dem Radfahren erst einmal alles vorsichtig dehnen sollen, aber was soll`s…..jetzt ist es geschafft mit einem Lächeln wenn auch müde! Jetzt habe ich diese Erfahrung gemacht und glaube nicht das letzte Mal……!!
Ich kann nur jedem der mit den gleichen Gedanken spielt empfehlen, so etwas mal zu probieren. Der richtige Moment kommt nie, meldet euch einfach für die kommende Saison an (wenn die Gesundheit mit spielt) und rockt das Ding. Sicherlich ist der zeitliche Anspruch bei jedem differenziert zu betrachten, denn meine Zielzeit ist für den einen bzw. anderen möglicherweise eine Niederlage. Aber dafür muss sich ja jeder sein Ziel selbst stecken und auch erreichen.

Fazit: Ob Roth das Mekka der Ironman Veranstaltungen ist, kann ich nicht beurteilen. Aber nach Aussage vieler Athleten vor Ort gibt es keinen verrückteren Ort mit so viel Begeisterung (bei 250000 „irren“ Zuschauern) und Emotionen wie hier. Natürlich gepaart mit Professionalität ohne die ein solcher Megaevent mit 3409 Einzelstartern und 665 Staffeln nie funktionieren könnte. Trotz dieser Größenordnung kam im Wettkampf nie das Gefühl einer Großveranstaltung auf, sondern man dachte man ist im Ländle und fühlte sich einfach Sau wohl, trotz aller Quälereien.

Kurzversion: 12.07.2015 Ironman Roth 3409 gemeldete Einzelstarter m/w ca. 50 gingen nicht an den Start 2784 Einzelstarter kamen ins Ziel 665 gemeldete Staffeln ca. 10 gingen nicht an den Start 631 Staffeln kamen ins Ziel
Renninfo Karsten Perko
Swim 01:20:42 Platz 1963
Trans 1 00:07:47 Platz 2374
Bike 06:37:07 Platz 2101
Trans 2 00:06:47 Platz 1985
Run 04:30:46 Platz 1189
Gesamt
Platz (M/W) 1677
Platz (AK) 379
Zielzeit (Brutto) 12:43:08

3 Responses to “Challenge Roth, 12. Juli 2015”

  1. Steffen

    RESPEKT mein Lieber und du siehst, alle Erwartungen sind war geworden oder üertroffen. Die Begeisterung der Leute vor Ort, dein Zweifeln, deine Leiden & Qualen und schließlich die stolze Brust beim Zieleinlauf …. und da lächelt jeder 🙂

  2. Jutta Kanisch

    Karsten, meinen herzlichsten Glückwunsch zu deinem Erfolg

  3. Hallo Karsten,
    nochmal Glückwunsch zu deinem Iron-Man Erfolg!
    So war es für mich ein tolles Erlebnis mit einem Ironman beim Finsterwalder Dutzend ins Ziel ein zu laufen.

    Schau dir mal das folgende Video an – vieleicht entdeckst dur dich darin
    und hast noch ein wenig Spaß dabei.

    https://www.youtube.com/watch?v=2v5VVXcZ8sE

    Sportliche Grüße
    Andreas


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