Braunschweig Marathon, 30. Oktober 2016

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von CHRISTOPH: „Sie haben einen Hb-Wert wie eine 70-jahrige Frau!“ Das waren die Worte meines Arztes vor genau sieben Wochen. Für mich eigentlich das unumstößliche Ende einer ohnehin schon furchtbaren Saison. Wie sollte ich mitten in einer harten Marathonvorbereitung dieses Problem in den Griff bekommen? Aber der Doc meinte nur lapidar, wenn sie ansonsten keinerlei Probleme haben können sie ruhig weiter laufen.Vermutlich hatte er nicht gleich 150 Kilometer in der Woche im Sinn, aber der gute kann wohl auch kaum wissen wie echte Langdistanzler so ticken. Also habe ich es doch probiert und die Ergebnisse in Fürstenwalde und Belzig waren die Gradmesser. Und wie in den letzten Berichten schon erwähnt, lief es im anaeroben Bereich wieder um einiges besser. Und mein Selbstbewusstsein kam durch die letzten Trainingseindrücke auch wieder zurück. Ich glaubte wieder daran in Braunschweig zumindest persönliche Bestzeit laufen zu können. Außerdem liefen die acht Trainingswochen absolut makellos.

Die Bedingungen am Wettkampftag waren absolut optimal. Die Temperaturen lagen bei 12 Grad und es herrschte kein Wind. Auch die Strecke war im Gegensatz zum Vorjahr diesmal trocken. Mein Ziel war es unter 2:45h zu laufen. Aber ich wollte mir einige Optionen offen halten und mit recht lockeren 3:54 min/km starten, um dann beim Halbmarathon die endgültige Richtung festzulegen. Das es dazu niemals kam, lag schlicht und ergreifend daran, das ich in wirklich hervorragender Form war. Oder um es anders auszudrücken, so wie am vergangenen Sonntag habe ich mich überhaupt noch nicht gefühlt. Der erste Kilometer ging in 3:35 min/km weg und das Tempo wurde natürlich sofort angepasst. Und trotzdem hatte ich fast das gesamte Rennen damit zu tun die Geschwindigkeit leicht zu drosseln. Bis Kilometer 10 teilte ich mir die Arbeit mit einem Halbmarathoni. Er schnaufte wie ein Walross und ich hatte bei niedrigem Puls genügend Zeit seinen Laufstil zu analysieren. Er wurde dann durch einen Dänen abgelöst, der mich auch als bis dahin Führenden ablöste. So konnte ich nochmals im Windschatten wichtige Energie sparen. Eigentlich die perfekte Situation, wenn nur das Tempo nicht so hoch gewesen wäre. Nach Kilometer 17 und einer Zeit von 3:40 min/km ließ ich ihn ziehen! Ich wusste zwar das ich durchaus schneller als der Plan laufen konnte, aber eine Endzeit um die 2:35h traute ich mir einfach nicht zu. Jetzt weiß ich zwar das die Entscheidung falsch war, aber in diesem Augenblick musste es einfach sein! Zu Beginn der zweiten Runde ging ich wieder in Führung. Und jetzt wollte ich auch den Sieg. Sehr positiv an dem Führungswechsel, war auch der Umstand, das mir nun der Fahrradbegleiter zur Verfügung stand. Er brüllte mir die Strecke permanent frei, auf der sich die Halbmarathonläufer befanden, welche erst um 11:00 Uhr starteten. Es gibt hier mehrere Startwellen. Auch die Unterstützung der anderen Läufer war großartig. So wurde ich über eine Stunde lang ununterbrochen angefeuert. Erst sehr spät im Rennen merkte ich wie erschöpft ich war, bei Kilometer 37 wurde ich langsamer, wobei die Probleme eher mentaler Natur waren. Bis dahin war die 2. Runde etwas schneller als die erste gewesen. Ich konnte mich aber wieder aus eigener Kraft zurück ans Licht kämpfen. Als die Geräusche des Zielbereiches an mein Ohr drangen, konnte auf leicht abfallender Asphaltpassage wieder beschleunigt werden. Der letzte Kilometer ging wieder in 3:47 Minuten runter wie Öl. Und wenn man bedenkt wie konservativ ich lief und das die Strecke ca. 300 Höhenmeter aufwies, so lässt diese Leistung noch einigen Spielraum für die Zukunft. Ich versuche auf jeden Fall, irgendwie an einen Startplatz für den Berlin Marathon zu gelangen! Unten habe ich Euch noch die handgestoppten Zwischenzeiten der beiden Läufe gegenüber gelegt!

LG und bis zum Saisonabschluss

Christoph

Zwischenzeiten

2015                                                                                      2016

0-5 km        : 19:44.9 min  > 3:57.0 min/km                  18:54.9 min  > 3:47.0 min/km

6-10 km      : 19:26.4 min  > 3:53.2 min/km                  19:28.0 min  > 3:53.6 min/km

11-15 km    : 19:31.8 min  > 3:54.4 min/km                  19:30.0 min  > 3:54.0 min/km

16-20 km    : 19:37.8 min  > 3:55.7 min/km                  19:12.7 min  > 3:50.5 min/km

21-25 km    : 19:52.8 min  > 3:58.6 min/km                  19:03.3 min  > 3:48.7 min/km

26-30 km    : 19:32.5 min  > 3:54.5 min/km                  19:02.1 min  > 3:48.4 min/km

31-35 km    : 20:43.9 min  > 4:08.8 min/km                  19:40.1 min  > 3:56.0 min/km

36-40 km    : 22:15.8 min  > 4:27.2 min/km                  20:27.5 min  > 4:05.5 min/km

41-42.2 km : 10:13.5 min  > 4:48.9 min/km                   8:39.3 min  > 3:56.0 min/km


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