Austria Triathlon Podersdorf 2.0 – 6. September 2015

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von CHRISTOPH: Warum nochmal ins kleine Städtchen im Burgenland? Die Antwort auf diese Frage ist simpel, weil diese Strecke unheimlich schnell ist! Und da ich in dieser Saison vollkommen auf Bestzeit und nicht auf Kona setzte, wurde Österreich schon im letzten Jahr als Höhepunkt mit eingeplant. Durch den Ausfall des ersten Höhepunktes in diesem Jahr (Hamburg Marathon), hing nun alles an Podersdorf. Selten habe ich mir selbst eine gut Saison attestiert, wenn nicht zumindest ein Hauptwettkampf funktioniert hat. Der Druck nach fast 9 Monaten Training, hin zu diesem Wettkampf, war also groß. Aber die Vorbereitungswettkampf- und Trainingseindrücke waren hervorragend und deshalb machte ich mir nur geringe Sorgen. Nur das Wetter spielte nicht unbedingt mit! Am Donnerstag und Freitag waren die Bedingungen in Niederösterreich noch um einiges besser als ursprünglich prognostiziert und so hoffte ich auch am Renntag das sich die Ausläufer der Tiefdruckgebietes nicht negativ auswirken sollten. Allerdings sah es dann um halb vier Uhr morgens, als es zum Frühstück ging, ganz schlecht aus. Es hatte die ganze Nacht geregnet bei vielleicht noch 14 Grad. Meine Stimmung war, als ich gegen 6:00 Uhr in finsterster Nacht, in voller Regenmontur zur Wechselzone lief, schon auf einen schweren Tiefpunkt angelangt! Natürlich gab es auch den ultimativen Plan B, man überlässt natürlich bei so einem Rennen nichts dem Zufall, aber Glückseligkeit sieht sicher anders aus. Ich deckte als erstes das Rad und die Schuhe ab, danach wurde die Wechselzone weiter vorbereitet. Erstaunlicher Weise fror ich kaum, als es mit den rund 800 weiteren Teilnehmer zum kleinen Leuchtturm, also den Schwimmstart ging. Zumindest eine gute Nachricht bis zu diesem Zeitpunkt. Der längste Tag des Jahres würde starten, mit oder ohne Regen!

Um ehrlich zu sein machte sich schon kurz nach dem Start mittelschwere Panik breit. Zweimal musste ich mich im flachen Neusiedler See aufrichten um heftigsten Mitschwimmerkontakt zu überleben und um die Brille nachzurichten. Der Start in den Wettkampf war miserabel und es dauerte ungefähr die ersten 300 – 400 Meter, bis eine kleine Lücke aufging und ein vernünftiger Rhythmus gefunden wurde. Spätestens ab der ersten Boje gab es aber keine weiteren Probleme mehr und die Pace bei guten Bedingungen war ebenfalls in Ordnung. Und wie im letzten Jahr schwammen die Mittelstreckler direkt zum Strand, was es nun natürlich noch leichter machte. Bei der letzten langen Gerade (ca. 1.000m) zurück zur Wechselzone, viel mir auf, das fast alle anderen Langdistanzler, etwas versetzt neben mir schwammen. Vielleicht wurden noch ein paar Sekunden verschenkt, weil nicht unbedingt die Ideallinie getroffen wurde. Aber nach den schweren Problemen am Anfang war ich mit den Schwimmpart noch einigermaßen zufrieden!

Swim : 1:02:25h
Transition: 0:02:34h

Um mein Hauptziel zu erreichen, war sicherlich viel Geduld gefragt. Denn schließlich war mein Auftritt hier im letzten Jahr auch nicht so schlecht gewesen. Ich vermutete das jeweils am Ende der letzten beiden Disziplinen noch Reserven schlummerten und gab deshalb natürlich auch die Devise aus, auch auf dem Rad noch etwas rauszuholen. Der 38er Schnitt wurde angepeilt und die Bedingungen um diese Pace auch fahren zu können stellten sich auch langsam ein. Die Strecke war auf den ersten 50 Kilometer zwar noch feucht, aber es hatte während des Schwimmens aufgehört zu regnen. Mehr Glück kann man wohl kaum haben und jetzt denke ich das die Bedingungen unter diesem Umständen nicht besser hätten sein können! Zwar waren die Temperaturen mit vielleicht 15-16 Grad mir etwas zu kalt, aber sie waren noch akzeptabel. Die ersten drei Runden fuhren sich vollkommen locker runter und die Radzwischenzeit lag absolut identisch, bei der des letzten Jahres (2:22h). Auch der Zusatzjoker, den mir Christian für dieses Rennen geliehen hatte, kam in Podersdorf zu Einsatz! Zum ersten mal, war ich mit einem Scheibenrad unterwegs. Und mein vorläufiges Fazit fällt absolut positiv aus. Auf solch flachen Strecken, auf denen permanent Seitenwind herrscht, sind diese Laufräder absolute Highspeedalternativen. Nur die verlorene Wasserflasche nach der zweiten Runde, viel als negatives Element ins Gewicht. Und da es nur eine Verpflegungsstelle gab, musste man in solchen Fällen warten bis man zurück in Podersdorf war. Ich hatte also nur gute 750 ml meiner eigenen mitgeführten Getränkte bis zur Rennstunde 3,5 getrunken. Selbst bei diesem Wetter war das absolut zu wenig. In der Hoffnung, das dies nicht zum Problem werden könnte, habe ich dann zur Halbzeit der Radstrecke etwas mehr Flüssigkeit zugeführt. Erst einmal ging es normal weiter und die vierte Runde ging noch locker in 48 Minuten weg. Aber danach wurde es schwieriger! Ich bekam auch richtige Probleme im stärker werdenden Wind mit dem Druck auf dem Pedal. So richtig gab es keinerlei Erklärung dafür. Nicht zu schnell angefahren, gut gegessen und auch top trainiert wurde es nun teilweise richtig langsam! Auf der letzten Radrunde wurde ich so schwach und müde, das erhebliche Zweifel daran aufkamen, ob der noch ausstehende Marathon einigermaßen gelaufen werden konnte. Es wurden die ersten Exitstrategien zurecht gelegt, die im Notfall ein lockeres auslaufen in 3:30h vorsahen! Daran habe ich tatsächlich gedacht!

Bike : 4:53:11h
Transition: 0:02:08h

In der Wechselzone entschloss ich mich dazu meinen Einteiler nicht auszuziehen. In Wiesbaden wurde bei besseren äußeren Bedingungen im Zweiteiler weiter gelaufen. Die Laufhose hatte ich unter dem Einteiler und mein Top war in der Wechselzone deponiert. Andi Böcherer hatte es beim Ironman Frankfurt so praktiziert. Aber es war einfach nicht nötig! Die Temperaturen stiegen im Tagesverlauf auch nicht mehr an. Bis zu diesem Punkt war der Rückstand auf die imaginäre eigene Bestzeit auf fast 5 Minuten angewachsen und auch meine Traumzeit von unter 9 Stunden, mit der ich bei einem optimalen Rennverlauf liebäugelte, war nun in weite Ferne gerückt. Die Raddepression hallte noch lange nach. Aber erstaunlicher Weise war die Geschwindigkeit auf den ersten Kilometern in Ordnung, obwohl es mir schwer viel den Überblick zu behaltener. Die Kilometerabstände waren recht unpräzise und es befand sich wohl so wenig Blut in meinem Gehirn, dass mir die kleinsten Rechenaufgaben schwer vielen. Schon allein die Tatsache das Kilometer 10 nicht mehr ausgeschildert war, versetzte mich wiederholt in eine mittelschwere Sinnkrise. Ich nullte die Uhr also wieder auf dem Rückweg bei Kilometer 1, um zumindest außerhalb Podersdorfs wieder einigermaßen Kontrolle über das Tempo zu erlangen. Obwohl dies eigentlich kaum nötig gewesen ist, auch ohne Uhr wäre der Marathon genauso gelaufen, wie er gelaufen ist. Mein Körper gab mir die zu laufende Geschwindigkeit vor. Ich hatte nur für die Nahrungsaufnahme zu sorgen und dafür das die Technik stabil blieb. Auch der live mitzuverfolgende Showdown der schnellsten Frauen und Männer machten den Lauf nun sehr kurzweilig. Nach 16 Kilometern überholte ich die bis dahin schnellste Frau und machte es mir dicht hinter Petr Vabrousek, dem späteren Sieger, bequem. Er konnte sich nicht wirklich lösen. Spätestens hier hätte ich es ahnen müssen ,wie schnell ich lief, aber wirklich Klarheit über die Situation wurde erst im Startzielbereich erlangt. Hier schaute ich zufällig in den Zielgang und erblickte die digitale Uhr, auf der 7:31h stand. Auf die Idee mal meine eigene Gesamtzeit zu diesem Zeitpunkt zu überprüfen wäre ich niemals gekommen. Der Halbmarathon ging in 1:31h durch! Das war nun wirklich überraschend und eine ähnliche Leistung, wie 2014 auf den beiden Schlussrunden, reichte nun wieder zur Bestzeit. Erst jetzt kam zur starken läuferischen Leistung, bis zu diesem Zeitpunkt, auch wieder der absolute Kampfeswillen! Dieser merkwürdige Wettkampf mit so vielen Höhen und Tiefen, drehte sich auf einmal zur ultimativen Show. Die Beine blieben auch im weiteren Verlauf absolut locker und so wühlte ich mich weiterhin durch das Feld. Die tiefen Temperaturen, welche am Anfang noch unangenehm erschienen, machten den Marathon richtig schnell. Auch musste natürlich weniger getrunken werden, was weniger Scheiß und damit weniger Mineralstoffverlust bedeutete. Dies machte es natürlich was die Flüssigkeitsaufnahme anging um einiges leichter. Nach der dritten Rundes wurde diesmal direkt zur Hauptwettkampfuhr geblickt und es war absolut unglaublich. Ich wurde einfach nicht langsamer und nur noch ein absoluter Einbruch hätte die neue PB verhindern können. Wohl nur ein Anstieg der Lauffähigkeiten ,in Kombination mit einem voll getroffenen Formhöhepunkt lassen diese Leistung erklären. Die letzte Runde wurde dann doch noch zum absoluten Genusslauf. Und kurz vor der einzigen kleine Schwächephase, rettet ich mich ins Stimmungsvolle Podersdorf. Unter tosendem Applaus lässt es sich schwerer Einbrechen! Der zweite Teil des Laufes war nur um 2 Minuten langsamer als der erste und so ging es nach 9:03h als 13. über die Ziellinie.

Run: 3:03:33h

Und es ist doch sehr erstaunlich wie viel mir dieser Wettkampf an neuen Eindrücken gebracht hat. Noch nie ging es in so regelmäßigen Abständen, in der mentalen Empfindung der aktuellen Situation so konfus zu. Die Haupterkenntnis allerdings ist eindeutig. Niemals aufgeben ist das allumfassende Motto und dies trifft ganz besonders auf die Ironmandistanz zu. Wobei ich auch zugeben muss, das es ein wenig glücklich am letzten Samstag zu ging. Unter gewissen Umständen wäre es mir wohl kaum noch möglich gewesen diesen Leitspruch auch wirklich in die Tat umzusetzen! Ich war doch sehr dich dran an der mentalen Aufgabe.

Lied des Wettkampfes: Baby Huey – Hard Times (War mein Permanentohrwurm am Samstag!!!)

LG
Christoph


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